YOGAMOUR 149: Nadi Shodana

Atemübungen

Atemübung: Nadi Shodhana

Für Kraft, innere Ruhe und mentale Ausgeglichenheit

»Der Atem ist das Wesentliche im Yoga, da er das Wesentliche im Leben ist - und im Yoga geht es um das Leben.« – T. Krishnamacharya

Nadi Shodhana - eine uralte Atemübung

Nadi Shodana ist eine der bekanntesten Atemübungen, die auch schon in der jahrhundertealten Schrift Hatha Yoga Pradipika zu finden ist. Sie wird in den meisten Yogastudios ganz selbstverständlich unterrichtet und unter dem allgemeinen Namen »Wechselatmung« angeleitet. Die wörtliche Übersetzung von Sanskrit ins Deutsche lautet: Reinigung der Energiekanäle (Nadi (sanskrit): (feinstofflicher) Energiekanal; Shodhana (sanskrit): Reinigung). Im Zusammenspiel mit Atempausen (sanskrit: kumbhaka), wird Nadi Shodana zu einer Pranayama-Übung.

Was kann generell die Arbeit mit dem Atem?

Für sehr feinfühlige Menschen kann Atemarbeit (modern: breathwork) starke energetische Prozesse auslösen. Für andere wirken Atemübungen als wunderbares Konzentrations-Werkzeug oder eine praktische Vorbereitung auf die Meditation. Manche schätzen den beruhigenden, manchmal auch belebenden Effekt auf mentaler Ebene. Für wieder andere kann es beides und ersetzt jegliche Form von Coachings. (Beachtenswert ist zum Beispiel die Arbeit von Wim Hoff: Er verbindet Atemübungen mit Eisbaden. Viele seiner Anhänger:innen erfahren dadurch extreme Erlebnisse auf physischer und psychischer Ebene). In der Atemtherapie als Teil der Physiotherapie werden übrigens ganz ähnliche Atemübungen trainiert, wie wir sie aus dem Yoga kennen (Atemverlängerung, Atempausen, Atembremsen, etc.).

Was kann Nadi Shodhana?

Nun, every body, every mind and every day is different. Und so wird auch Nadi Shodhana bei jeder/m von uns unterschiedlich intensive Effekte auslösen. Allgemein kann man auf jeden Fall sagen, dass Nadi Shodhana beruhigend wirkt, ausgleichend und zum Verbleiben in der Stille einlädt - deshalb ist es auch ein großartiges Werkzeug bei Einschlaf- und Durchschlafproblemen.

Ich persönlich übe und unterrichte Nadi Shodhana gerne vor der Meditation. Ich kenne aber auch Lehrer:innen, die die Wechselatmung direkt vor der Āsanapraxis lehren. Der Ansatz: 20 völlig verschiedene Schüler:innen kommen in eine Yogastunde, befinden sich im Moment mental und emotional auf komplett verschiedenen Ebenen und sollen irgendwie auf ein ähnliches Energielevel gebracht werden, damit die Klasse für alle funktioniert. Nadi Shodhana ist dann definitiv das Werkzeug Nummer 1 und kommt gleich zu Beginn nach dem Chanten ;).

Wie funktioniert Nadi Shodhana?

Wie im Video erklärt, werden im Wechsel die Nasenlöcher verschlossen, so dass durch das jeweils andere Nasenloch ein- und ausgeatmet werden kann. Die Hand, die verschließt, wird in Vishnu Mudra oder Nasikagra Mudra gehalten. Genau geht das so (von Yogaschule zu Yogaschule unterschiedlich):

  1. Die linke Hand in Jnana oder Chin Mudra (Daumen und Zeigefinger berühren sich) auf dem linken Oberschenkel ablegen. (Wenn du Linkshänder:in bist, darfst du selbstverständlich die Hände wechseln.)
  2. Die rechte Hand formt Vishnu oder Nasikagra Mudra und liegt an der Nase.
  3. Sanft und vollständig durch beide Nasenlöcher einatmen.
  4. Sanft und vollständig durch beide Nasenlöcher ausatmen, dann mit dem Daumen rechts verschließen.
  5. Links einatmen, rechts ausatmen.
  6. Rechts einatmen, links ausatmen.
  7. Atempausen einbauen: Links einatmen, Atempause (Antara kumbhaka), rechts ausatmen.
  8. Rechts einatmen, Atempause, links ausatmen usw.

Manche Yogaschulen empfehlen, die Nasenlöcher durchgehend zu berühren bzw. sanft zu verschließen, um den Atem etwas auszubremsen. Ausprobieren und bei Hyperventilation NICHT machen! Es ist möglich, auch nach der Ausatmung eine Pause zu machen (Bahya kumbhaka), was für viele Teilnehmer:innen sehr intensiv ist. Sehr beliebt in der fortgeschrittenen Atemarbeit ist, im Verhältnis 1:4:2:3 zu atmen, z.B.: 4 Takte links einatmen, 16 Takte komplett verschließen und Atem anhalten, 8 Takte rechts ausatmen und dann 12 Takte in der Ausatempause bleiben. Danach rechts für 4 Takte einatmen, für 16 Takte verschließen, 8 Takte lang links ausatmen und am Ende 12 Takte Atempause halten (sehr intensiv, nicht ohne Anleitung eines Profis üben).

Gibt es Kontraindikationen?

So wie ich Nadi Shodhana unterrichte, sollte es keine Kontraindikationen geben. Ich leite den Wechselatem lediglich mit kurzen Atempausen an - und nur zwei bis drei Minuten lang.

Wichtig: Schwangere sollen keine Atempausen einlegen.

Ich weiß, dass bei intensiven Atem-Workhops Schwindel, Kribbeln, Hyperventilation und damit auch andere Bewusstseinszustände auftreten können. Dafür muss die Kursleitung die Verantwortung übernehmen.

Pranayama - Anregungen aus der uralten Yogaphilosophie

Schon in jahrtausendealten Yogaphilosophie-Texten finden wir Hinweise auf die positiven Auswirkungen von » Pranayama« (Sanskrit für: Atemkontrolle oder Atemtechnik des Yoga. Geschrieben: Prāṇāyāma), so beispielsweise in Patanjalis Yoga Sutra in den Versen 2.49 bis 2.53.

»Wenn der Fluss des üblichen Atems - unter der Voraussetzung einer guten Körperhaltung - ausgedehnt wird, dann ist das Pranayama, die Atemtechnik des Yoga. Der Atem ist ausgewogen, wenn er gemächlich, jedoch ohne zu stocken fließt. Der stille Atem verringert die Trübung des Fühlens und Denkens. Der stille Atem befähigt zur Meditation.« (aus: Das Yogasutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung von R. Siram)

Ganz viel Freude beim Üben! Lasst mich gerne unten in den Kommentaren wissen, wie sich Nadi Shodhana für euch anfühlt!

Liebste Grüße, Bärbel


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Veröffentlicht am 2. Oktober 2022

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