Long Covid

Yogatherapie

Yoga bei Post- oder Long-Covid

Wie dich eine achtsame Praxis bei Beschwerden unterstützen kann

von

Wir bekommen immer wieder Anfragen von YOGAMOUR-Mitgliedern, die in der Vergangenheit an Covid-19 erkrankt sind und weiterhin mit den Folgen zu kämpfen haben. Sie fragen uns, ob und wie sie Yoga praktizieren sollen. Wie bei vielen Krankheiten und Verletzungen muss die Antwort natürlich lauten: Das können wir nicht mit Gewissheit sagen. Oder auch: Es kommt darauf an… auf den Menschen selbst. Auf die Vorgeschichte. Die Symptome. Vor allem kommt es aber darauf an, was der/die Betroffene unter Yoga versteht. Bei akuten Beschwerden wie anhaltende Kurzatmigkeit jeden Tag kraftvolles Vinyasa einzuplanen, ist sicher nicht zu empfehlen. Atemwahrnehmung und Meditation auszuprobieren und damit beständig weiterzumachen, wenn es sich gut anfühlt, ist ein guter Weg. Aber erst einmal von vorne…

Was ist Post-/Long-Covid?

Bei BR Wissen gibt es eine leicht verständliche Definition, die sich an der sogenannten »S1-Leitlinie zu Post-COVID/Long-COVID« orientiert. Da steht:

 »Von einem Long-Covid-Syndrom sprechen Ärzte, wenn Patienten vier bis zwölf Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung immer noch krank sind oder neue Symptome entwickeln. Sind sie länger als 12 Wochen krank und die Beschwerden nicht mit anderen Diagnosen erklärbar, besteht ein Post-Covid-Syndrom. Im Schnitt entwickeln nach aktuellem Kenntnisstand zehn bis 15 Prozent der Covid-19-Erkrankten ein Post-Covid-Syndrom, unabhängig von Vorerkrankungen oder der Art des Krankheitsverlaufs (leicht, mittel oder schwer). Das heißt, dass etwa jeder zehnte Patient mit Covid-19-Infektion an Post Covid leidet.« 

Wir alle wissen, dass es sich naturgemäß um ein relativ junges Phänomen handelt: Erst im Juli 2021 haben verschiedene Fachgesellschaften gemeinsam eben diese erste »S1-Leitlinie« herausgegeben – wörtlich nachzulesen hier (PDF). Darin werden der (noch relativ geringe) aktuelle Wissensstand und empfohlene Therapieansätze beschrieben. Dazu schreiben die Fachleute ausdrücklich: »Gesicherte therapeutische Interventionen bei Post-/Long-COVID sind nicht bekannt.« Und: »Die Therapie orientiert sich an den Symptomen. Für eine spezifische Therapie gibt es bislang noch keine wissenschaftlich belastbaren Belege.«

Es ist also ganz sicher alles andere als einfach, wenn man selbst an den Folgen einer Corona-Erkrankung leidet, überhaupt gesicherte Erkenntnisse dazu zu finden, wie und wodurch die Beschwerden leichter werden. Auch wir von YOGAMOUR müssen und wollen euch selbstverständlich darauf hinweisen, dass bei allen Erkrankungen, Verletzungen und Beschwerden der Arzt euer erster Ansprechpartner sein muss. In der Leitlinie wird darauf hingewiesen, dass es aber durchaus sinnvoll sein kann, sich mit »nicht-ärztlichen Leistungserbringern im Gesundheitswesen (Physiotherapie, Ergotherapie, psychologische Psychotherapie, Logopädie, Pflegedienst, Ernährungsberatung, ebenso wie Apotheken, Soziotherapie, …)« abzusprechen. Und das macht für uns absolut Sinn! Was wir damit sagen wollen – und ab jetzt wird es weniger trocken, versprochen 🙂 : Ganzheitlich zu denken, Selbstverantwortung zu übernehmen, für sich selbst zu sorgen und den eigenen Heilungsweg bewusst zu beschreiten – das sind vielleicht die wichtigsten Voraussetzungen, damit es uns wieder besser gehen kann. Das ist alles andere als ein Heilsversprechen, aber es ist die Aussicht auf viele verschiedene und offene Möglichkeiten, die konstant im Abgleich mit dem eigenen Körper und Gefühl, der Intuition, dem tiefen Bauchwissen stehen sollten. 

Was sind typische Symptome von Long-Covid?

Laut tagesschau.de zählen Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit und das Chronische Fatigue Syndrom zu den häufigsten Langzeitfolgen der Erkrankung. Außerdem klagen viele Patient:innen über Atemnot. Weitere Beschwerden sind Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Muskelschwäche und -schmerzen, depressive Verstimmungen sowie Schlaf- und Angststörungen. Ein einheitliches Krankheitsbild von Long-Covid gibt es jedoch nicht, auch sind Dauer und Schwere der Symptome unterschiedlich.

Vielen Betroffenen hilft eine Behandlung auf Reha, doch es gibt auch zahlreiche Menschen, die in ihrem »normalen« Alltag bleiben und beispielsweise begleitet von einer/m Physiotherapeutin/en gut vorankommen. Gerade die Verbindung von Atemtherapie, Krankengymnastik und manueller Therapie zur Förderung von Kraft, Ausdauer, Gehvermögen und Koordination kann laut des oben genannten Tagesschau-Artikels zur Besserung beitragen.

Während ich dies schreibe, habe ich zunehmend das Gefühl, dass direkt betroffene Leser:innen vermutlich noch ganz andere Probleme haben. Wenn beispielsweise erwähnt wird, dass Psychotherapie wichtig ist, um mit den Ängsten und der Unsicherheit, die die Langzeitfolgen mit sich bringen können, umzugehen – spätestens dann schreit eine:r los, oder? Noch während ich recherchiert und versucht habe, die allgemeinen Fakten nach neuestem Stand zusammenzutragen, sagte mir mein Bauchgefühl: Wahrscheinlich schreiben einige von euch gerade deshalb an uns von YOGAMOUR, weil es zur Zeit alles andere als einfach ist, Termine beim Physiotherapeuten zu bekommen geschweige denn beim Psychotherapeuten. Und ein Reha-Platz liegt auch nicht gerade am Straßenrand für jede:n bereit. Das ist die Realität, wie viele sie gerade selbst erleben.

Die traurige Wahrheit ist, dass wir als Yogalehrer:innen euch therapeutisch nicht dort abholen können (und auch nicht dürften), wo ihr gerade seid. Aber vielleicht können wir es zumindest menschlich ein wenig tun und euch ein paar konkrete Vorschläge machen, wie wir persönlich vorgehen würden. Natürlich geht das aber nur, wenn es euer Allgemeinzustand zulässt.

Achtsame Praxis-Tipps

Video: Yoga bei Kurzatmigkeit

YOGAMOUR 126: Yoga bei KurzatmigkeitYOGAMOUR ein Video speziell für diejenigen gefilmt, die noch immer mit den Folgen einer Erkrankung zu kämpfen haben: »Yoga bei Kurzatmigkeit«. Dafür hat sie sich mit einer als Internistin berufstätigen Ärztin abgestimmt, die sich das Virus bereits im März 2020 eingefangen und mehrere Wochen mit dem Symptom Kurzatmigkeit zu kämpfen hatte. (Mit Hilfe von YOGAMOUR-Yogavideos und ganz viel Geduld und Zuversicht konnte sie ihren normalen Atem zurückgewinnen.) Diese Ärztin hat im Gespräch immer wieder betont, wie wichtig Zuversicht und Vertrauen auf dem Weg der Genesung sind. Und genau das wollen wir mit diesem Artikel und in Bärbels Yogavideo vermitteln! 

Im Video findet ihr ein paar sanfte, einfache Tipps aus der Yoga-Werkzeugkiste und aus der Atemtherapie, dazu wie immer einen Schwung positives Input. Das soll euch dabei unterstützen, ein Gefühl für eure Atemräume zu bekommen, mit Geduld inspiratorisches Reservevolumen zu erhöhen und dadurch langsam aber sicher Vertrauen und Zuversicht zu gewinnen. Mit viel Zeit und Geduld soll sich euer Atem wieder normalisieren können. Wichtig und unbedingt zu beachten: Es geht um die Kurzatmigkeit NACH der Gesundung, nicht um die Luftnot, wenn man frisch an Covid erkrankt ist!

Weitere Videos & Tipps

⚠️ Hinweis: Für die ab hier verlinkten Videos, Meditationen und Artikel ist eine Mitgliedschaft bei YOGAMOUR plus notwendig.

Auf YOGAMOUR plus gibt es außerdem zwei weitere Videos, die ihr ausprobieren könnt. Sie sind beide sehr sanft und darauf ausgerichtet, Einschränkungen in der körperlichen »Fitness« zu respektieren und keinesfalls zu ignorieren:

Klar, dass nicht jeder Mensch mit einem Post-Covid-Syndrom sich gleich fühlt! Es kann sein, dass ihr keine Kraft habt, um überhaupt auf die Yogamatte zu steigen. In solchen Fällen rät euch die oben erwähnte Ärztin (und auch Bärbel), wenn möglich, zumindest jeden Tag ein bisschen spazieren zu gehen. Je nachdem wie fit ihr euch fühlt, könnt ihr beim Spazierengehen immer »Funny Walking« einbauen – die Anleitung dazu findet ihr hier.

Wenn ihr euch mit der Zeit schon etwas besser fühlt, solltet ihr euch trotzdem noch nicht wieder ins volle Vinyasa-Programm stürzen. Bitte hört auf euren Körper – wahrscheinlich sagt er euch, dass es ihm gut tut, weiterhin mit viel Respekt und Achtsamkeit zu üben…

Yin Yoga könnte eine gute Option sein – dieser wunderbare Yogastil ist nicht nur eine Wohltat fürs Fasziengewebe, sondern schenkt auch viel Raum und Zeit, um den Körper von innen heraus wahrzunehmen. Im ersten Video der Yin-Yoga-Reihe erklärt Bärbel relativ viel zur Methode.

Nicht so anstrengend und sehr gut, um Weite im Körper zu schaffen, ist die YogAlign-Reihe (#91-94). Wie der Name schon sagt, geht es dabei sehr viel um Ausrichtung, Haltung, ums Strecken und Aufrichten.

Sobald es euch dann wirklich schon um Einiges besser geht, könntet ihr mit ganz einfachen YOGAMOUR plus-Videos beginnen – vielleicht bleibt ihr sogar noch einige Zeit einfach bei der Atmung. Bärbel empfiehlt euch dieses Video zur Ujjayi-Atmung.

Wir hören außerdem von vielen Mitgliedern, die aus verschiedenen Gründen körperlich eingeschränkt sind, dass ihnen Meditation sehr hilft. Falls du noch keine Erfahrung damit hast, starte einfach hier.

Yoga Nidra ist eine hervorragende Tiefenentspannungsmethode, die ihr unbedingt einmal ausprobieren solltet. Sie wirkt wunderbar revitalisierend und es gibt sie bei uns in der langen und kurzen Variante.

Was wir euch sehr gern mit diesem Artikel sagen möchten: Ihr seid nicht allein! Es gibt wirklich einige da draußen, an denen eine Corona-Infektion nicht spurlos vorbeigegangen ist. Bitte habt Geduld mit euch und eurem Körper, gebt euch viel Zeit. Wer damit etwas anfangen kann: Die ganz bewusste Praxis von Selbstmitgefühl ist ein Ansatz, der besonders in den USA derzeit durch die Decke schießt. Nicht ohne Grund! Wenn ihr mögt, lest hier unseren Artikel dazu.

Vielleicht seid ihr aber auch gar nicht selbst betroffen, habt aber Freund:innen oder Familienmitglieder, die die Langzeitfolgen von Corona spüren? Wir finden, dass das Thema Long-/Post-Covid tatsächlich für alle relevant ist. Wenn ihr jemanden kennt, den/die ihr dringend motivieren wollt, sich selbst trotz dieser unangenehmen Symptome etwas Gutes zu tun: Nehmt sie oder ihn an der Hand und versucht gemeinsam, einen achtsamen und gesunden Weg der Regeneration zu finden. Schön wäre es doch, zum Beispiel zusammen das Video »Yoga bei Kurzatmigkeit« oder eine andere – sanfte – Folge zu üben!

Euer Feedback ist uns sehr willkommen – es interessiert uns, wie es euch geht und was euch selbst geholfen hat, die Folgen einer Corona-Infektion zu überstehen. Vielleicht habt ihr ja sogar ein paar konkrete Tipps für die anderen? Wir glauben, dass uns das Wissen, nicht alleine zu sein – ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen, die gerade vielleicht dasselbe erleben – helfen kann.

GUTE BESSERUNG und VIEL ZUVERSICHT,
wünscht eure YOGAMOUR-Redaktion

P.S.: Dr. med Jördis Frommhold, Fachärztin für Innere Medizin und Lungenheilkunde und Präsidentin des Ärzteverbands Long-Covid, gilt hierzulande als Expertin auf diesem Gebiet und hat kürzlich ein Buch dazu geschrieben: »Long Covid. Die neue Volkskrankheit« (Amazon* | Verlag). Im Podcast #kasiatrifft (das ist der Podcast der Verlegerin des EMOTION-Magazins Kasia Mol-Wollf) bezeichnet sie Long-Covid treffend als »Problem unserer Leistungsgesellschaft«.  (*Affiliate Link)

Nachzuhören auf Apple Podcasts, Spotify oder Soundcloud – Folge 170: Long Covid – Wer ist betroffen und was hilft? mit Jördis Frommhold


Veröffentlicht am 10. April 2022 | Geschrieben von Verena Di Bernardo | Alle Artikel von

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